Regionale Traditionnen

Diese neun Messen, gehalten in verschiedenen Orten über die gesamte Region, kündigen die Geburt Jesus an und heben sich durch ihre katholischen Gesänge hervor, die mit viel Inbrunst von den lokalen Chören gesungen werden.
Am Ende der Messen spürt man die Fröhlichkeit auf den Kirchhöfen, auf denen sich die Bewohner versammeln und „Essen und Getränke“ den Gläubigen und Besuchern gereicht wird.
Diese Messen finden in der Morgendämmerung, gegen sechs Uhr morgens, statt.
Die Hahnenmessse ist eine Messe die um Mitternacht vom 24. zum 25. Dezember gefeiert wird, nach dem Abendessen des Heiligen Abends.Diese Messe nennt sich Hahnenmessse weil der Legende nach der Hahn das erste Tier war, das die Geburt Jesus angekündigt hat.

Man sieht häufig Blumenverkäuferinnen und Kellner, die mit der Tracht von Madeira bekleidet sind.
Bei der Tracht der Frauen überwiegt die Farbe Rot. Verheiratete und ledige Frauen in Ponta do Sol trugen rote Umhänge, während Witwen blaue Umhänge trugen.
Die traditionelle Tracht in Funchal, Machico und Santa Cruz besteht aus einem buntem oder gestreiften Wollrock, einer Weste, ein rotes Bustier und eine blaue Zipfelmütze.
Die Tracht der Männer hat sich nicht stark verändert. Sie besteht aus einer weißen kurzen Hosen mit Bundfalten über den Knien und einem Faltenhemd, mit oder ohne Stickerei.
Die Stiefel, die sogenannten „Botachas“ oder „Bota-Chã“, aus gegerbtem Kuhleder, wurden sowohl von Männern als auch von Frauen getragen. Der Stiefelschaft war nach außen gerichtet und reichte bis zum Knöchel und war mit einem roten Band verziert.
Die traditionellen „Colares de Rebuçados“ (Bonbonketten) sind typisch für jedes Volksfest auf Madeira. Früher, als das Geld nicht für große Geschenke reichte, war die Bonbonkette die größte Freude für die Kinder. Heute haben sich die Zeiten geändert und es gibt viel mehr Verkäufer und eine größere Auswahl an Süßigkeiten.
Es wurden einige der Einwohner der Gemeinde eingeladen, um das Formen dieser Figuren zu erlernen.
Die Teigpuppen werden aus Mehl, Wasser, Hefe, Farbstoff aus Eiern oder aus Klementinen und ein wenig Salz hergestellt. Die Zutaten werden alle zusammen gemischt und der daraus entstehende Teig wird mit den Händen zu der traditionellen Puppe geformt. Für die „Augen“ werden Samen verwendet und mit bunten Bändern werden die Haare und die Kleidung hergestellt. Nach 20 min. im Backofen ist die Teigpuppe fertig für den Verkauf.

Auf dem Archipel von Madeira werden in allen Pfarrgemeinden religöse Feste oder Wallfahrten gefeiert, die größtenteils von einem „festeiro“ - eine Person, die die Kosten der Feste und der religiösen Feierlichkeiten übernimmt - veranstaltet werden.
Bei diesen Festen darf die Unterhaltung natürlich nicht fehlen, und dafür sind meistens Philharmonieorchester und Bands moderner Musik zuständig.
Die Straßen um die Kirche oder auch der Ort selbst werden mit bunten Fahnen geschmückt, die an hohen Holzmasten mit einem mit Lorbeer und Buchs verzierten Sockel wehen.
Die Holzbuden, verziert mit Lorbeer und anderen Pflanzen, sind für die meisten Besucher ein obligatorischer Haltepunkt. In diesen kleinen Verkaufsräumen können wir ein wenig von allem finden, unter anderem, Süßigkeiten, Spielzeuge, Getränke und verschiedene Speisen.
Die Buden mit Essen und Getränken sind bei den Volksfesten auf Madeira die beliebtesten. Hier kann der traditionelle Grillspieß, der „bolo do caco“, mit Knoblauchbutter, der regionale Wein oder die traditionelle „laranjada“ (Orangenlimonade) verköstigt werden. Das Rindfleisch, in Würfeln geschnitten und auf einen Lorbeerspieß aufgespießt, wird hier direkt auf den Grills in der Nähe der Buden gegrillt. Um die Feuerstelle herum versammeln sich Männer und Frauen und genießen die Feststimmung.
Das Fest „Santíssimo Sacramento“, bekannter unter dem Namen „Arraial do Bom Jesus“, wird immer am ersten Sonntag im September, in der Gemeinde von Ponta Delgada, in São Vicente, gefeiert.Früher wurde dieses stark religiöse Fest von Tausenden Pilgern besucht, die zu Fuß 2 oder Tage lang auf den Wegen pilgerten, die den Süden mit dem Norden der Insel verbunden haben.
Heutzutage werden die Pilgerungen nicht mehr auf diese Art durchgeführt und die Pilger kommen mit ihren eigenen Fahrzeugen oder fahren von Ponta Delgada mit öffentlichen Transportmitteln.
Es ist jedoch immer noch eines der größten Volksfeste der Insel Madeira.
Die Feierlichkeiten zu Ehren des Santo António (Hl. Antonius) konzentrierten sich im gleichnamigen Bezirk von Funchal. Die Nacht vom 12. zum 13. Juni wird durch den Umzug „Marchas Populares“ (volkstümliche Märsche) gekennzeichnet.
Am 24. Juni finden die Feierlichkeiten zu Ehren des São João (Hl. Johannes) statt. Früher war die „Capela São João da Ribeira“ (Kapelle des Hl. Johannes von Ribeira) eines der meistbesuchtesten Orte während des Volksfestes in der gesamten Region. Heutzutage findet die Unterhaltung auf dem „Praça do Carmo“ (Platz von Carmo) mit den berühmten „Altares de São João“ (Altare des Hl. Johannes) statt.
Die Feierlichkeiten zu Ehren von São Pedro (Hl. Petrus), der Schutzpatron der Fischer, finden am 28. und 29. Juni statt und die gesamte Aufmerksamkeit richtet sich auf die Kleinstadt Ribeira Brava. Alle Wege führen zu diesem berühmten Fest, das auch wegen des großen Musikangebots, der „marchas populares“ (volkstümlichen Märsche) und noch wegen der Bootsfahrten, die einige Schifftransportunternehmen zwischen Funchal und Ribeira Brava durchführen, bekannt ist.
Eines der größten Feste in Madeira, das im Oktober im Bezirk von Machico, östlich von Madeira, stattfindet.Das Fest „Festa do Senhor dos Milagres“ erinnert an die Überschwemmung, die am 9. Oktober 1803 die Kapelle, in der sich die wertvolle Figur des „Senhor dos Milagres“ (Herr der Wunder) befand, zerstört hat und diese mit ins Meer zog. Man erzählt, dass diese Figur nach drei Tagen wieder auftauchte und dann der Kathedrale von Funchal übergeben wurde. Die Figur kehrte 1813 zur Kapelle „Senhor dos Milagres“, in Machico, wieder zurück.

Es handelt sich um ein Fest, das den anderen religiösen Volksfesten Madeiras sehr ähnelt. Die Besonderheit dieses Festes ist die Prozession, die vom Meer bis zur kleinen Kapelle, die oben am Abhang liegt, durchgeführt wird. Das Ritual ist Folgendes: Am Samstagnachmittag findet eine Prozession statt, die zur Kapelle von Caniçal führt, um die Figur abzuholen, die bis zum nächsten Tag in der Kirche von Caniçal verbleibt. Am Sonntag versammeln sich die Menschen in einer neuen Prozession und bringen die Figur an ihren ursprünglichen Ort zurück, womit das Fest endet.

Bei all diesen Festen wird die religiöse Feier mit einem typisch madeirischen Volksfest abgeschlossen, in dem in einigen Fällen diese zu der größten Feier der Ortschaft wird, da es mit dem Fest der Schutzpatronin der Gemeinde oder der Ortschaft zusammenfällt.
Die Feste finden jährlich am diesen Datum in den folgenden Ortschaften statt:
Nossa Senhora do Monte: Gemeinde von Monte (Funchal) und in Lamaceiros (Porto Moniz);
Nossa Senhora da Graça: Gemeinde von Estreito da Calheta, Estreito de Câmara de Lobos und noch in Graça (Porto Santo);
Nossa Senhora da Guadalupe: Gemeinde von Porto da Cruz;
Nossa Senhora da Ajuda: Serra de Água
Am 15. August wird die Schutzpatronin von Funchal und der gesamten Diözese gefeiert. Es ist mehr als eine Tradition, die seit vielen Jahren besteht, es ist eine Glaubensmanifestation, die Tausende von Menschen zum Zentrum der Gemeinde anlockt. Das Fest erstreckt sich vom Largo da Fonte bis nach Babosas, bekannt wegen der Kapelle, die während des Unwetters im Jahr 2010 zerstört wurde - an derselben Stelle wird ein neues Projekt errichtet.
Der Höhenpunkt dieses Festes findet am Vortag, d. h. am 14 August, statt. Früher kamen die Pilger zu Fuß auf einer langen Pilgerung. Heutzutage kommen sie mit ihren Privatautos, mit dem Bus oder neuerdings auch mit der Seilbahn, die Funchal mit Monte verbindet, von überall her, um das Fest zu feiern.
Das Fest bietet eine große Unterhaltung, wobei spontan, improvisierte Gruppen provozierende Vierzeiler zu den Klängen des Akkordeons, „Rajão“ (Seiteninstrument) und anderen Instrumenten, singen und die Aufmerksamkeit der Menschen, die hier vorbei gehen, auf sich ziehen. Und so wird der Volksspruch „Am 15. August führen alle Wege nach Monte“ gerechtfertigt.
Die Dekorationen, die besondere Hervorhebung verdienen, werden durch die traditionellen Trink- und Essbuden vervollständigt. Der Grillspieß „bolo do caco“ und die typischen Brötchen mit in Wein und Knoblauch mariniertem Fleisch dürfen auf diesem Fest auch nicht fehlen.
Am Tag danach wird der religiöse Aspekt hervorgehoben. Es ist der Höhepunkt der „novenas“ - neun Eucharistien, die zur Vorbereitung des Festes dienen und dem 15. August vorausgehen. Die religiöse Zeremonie wird vom Bischof der Diözese von Funchal abgehalten. An diesemTag erfüllen die Gläubiger auch ihre Gelübde. Einige Gläubiger steigen unzählige Treppenstufen, die zum Gotteshaus führen, auf den Knien mit Kerzen und anderen Wachsprodukten hinauf.

Der 11. November wird sowohl von der katholischen Kirche als auch von der Bevölkerung, die die Gelegenheit nutzt, um die letzten Eßkastanien zu grillen, gefeiert. Das „Festa de São Martinho“ (Sankt-Martins-Fest) offenbart deutlich den Glauben und die Traditionen des Volkes von Madeira.
Obwohl man nicht genau weiß, wann das Fest „São Martinho“ in der Region zum ersten Mal gefeiert wurde, steht es fest, dass es sich um eine sehr alte Tradition handelt. Gemäß der Tradition muss am Vorabend des Sankt-Martins-Festes junger Wein und gegrillter Stockfisch verköstigt werden. Diese sehr alte Tradition wird immer noch heutzutage befolgt.
In der Igreja „São Martinho“ (Kirche des Sankt Martins) findet ein großes Volksfest zu Ehren des Schutzpatrons statt. Früher wurden hier auch die traditionellen Pilgerungen durchgeführt.

Die alten Schriftstücke berichten über große religiöse und heidnische Feste, an denen „viele Musikinstrumente, wie Gitarre, Flöte, „Rabis“ und Dudelsäcke, sich mit den Tönen von „Bombos“ und Trommeln vermischten. Daraus entstand später die traditionale Musik vom Madeira, die in jedem Haus, auf Festen und Volksfesten gespielt und durch Anspielungen und lustige Rhythmen gekennzeichnet wird. Hervorzuheben sind noch die „Charamba“ und die „Mourisca“, die Gesänge und der „Bailinho“, der sowohl gesungen als auch getanzt werden kann. Es gibt in Madeira auch Singspiele.
Die Lieder bei der Landarbeit waren früher alltäglich, aber heutzutage sind sie fast nicht mehr zu hören. Religiöse Musik hört man auch sehr oft: die Lieder der „Cantigas dos Reis“ (Lieder der Heiligen Dreikönige), des „Espírito Santo“ (Heiligen Geistes) und die Weihnachtslieder.
Aus der großen Anzahl an Instrumenten, die bei der Volksmusik benutzt werden, heben sich die Saiteninstrumente hervor.
Die Folklore wird in jeder Region oder in jedem Land als ein Ausdruck der ursprünglichen kulturellen Tradition der Völker verstanden.Auf der Insel von Madeira wird die Folklore über das ganze Jahr praktiziert, obwohl bei den Feiern von bestimmten Ernten, wie Weinernten, Getreideernten und beim Dreschen sowie während der religiösen Feste, Volksfeste oder Wallfahrten sie noch intensiver praktiziert wird.
Heutzutage wird die folkloristische Tradition durch Folkloregruppen, Tänze und „bailados“ (Balltänze) fortgeführt. Ein großer Meilenstein der Folklore ist der „bailinho“, begleitet von Stimmen und Musik, und die bekannte „despique“ (Herausforderung´), in der zwei Sänger, nacheinander, sozial satirische Vierzeiler improvisieren. Die typische Tänze unterscheidet man in „chamarrita“, „charamba“, „mourisca“ und „bailinho das camacheiras“.
Die Musik sowie die Tänze der madeirischen Folklore beschreiben die Liebe, die kirchlichen Traditionen und die traurigsten Momente der Geschichte der Insel. Das Stampfen der Weintrauben wird in den Tanzbewegungen symbolisiert. Das Detail des gesenkten Kopfes stellt die Sklavenzeit als Symbol der Unterwerfung des Sklaven zu seinem Herrn dar.
Die Instrumente, die bei der madeirischen Folklore verwendet werden, sind die traditionellen Saiteninstrumente, wie „Machete“, „Rajão“, „Braguinha“, „Rebeca“, Gitarre und andere Instrumente, wie Akkordeon, Triangel und der traditionelle „Brinquinho“, der regional hergestellt wird.
